5.2.1) bezeichnet –
zeigen sich beispielsweise, wenn ein Säugling in Rückenlage typische Tretbewegungen
ausführt, diese stimmen mit der späteren Beinbewegung beim Laufen erstaunlich genau
überein (ebd., S. 244). Thelen vermutet nun, dass über die Lokomotion hinaus
rhythmische Muster ein fundamentales Charakteristikum auf allen Ebenen der Fein- und
Grobmotorik – also auch der Artikulation – sein könnten. Der Zusammenhang mit dem
Phänomen des kanonischen Lallens im Umfeld beginnender Bewegungssteuerung weist in
diese Richtung und wurde in Abschnitt 5.1.3 beschrieben. Kalveram (2000) stellt
ebenfalls den Zusammenhang von sprachlicher und bewegungsbezogener Steuerung
her:
Die Erzeugung einer strukturierten akustischen Sequenz ist ein Pendant zum motorischen »Automatismus«, der unabhängig davon, mit welcher Dauer oder mit welcher Weite bzw. Amplitude er ausgeführt wird, als formkonstant erscheinende Gliedmaßen-Bewegungen hervorruft (ebd., S. 196). Auch Eric H. Lenneberg (1972) nimmt an, dass ein rhythmisches Phänomen die äußerst komplexen Vorgänge in der Erzeugung und dem Verstehen von Sprache steuert (ebd., S. 136ff.). Er weist dabei besonders auf die Parallelität von motorischer und sprachlicher Entwicklung hin. Auch im Vergleich verschiedenster Kulturen zeigen sich Übereinstimmungen im Sprachbeginn: Ein Kind spricht die ersten Wörter, wenn es gehen gelernt hat, und wenn es von einem Stuhl (oder einem gleichartigen Gegenstand) springen oder drei Schritte rückwärts gehen kann, sagen die Gewährsmänner, es spreche flüssig, wenn auch gewisse Ungenauigkeiten und kindliche Ausdrücke noch längere Zeit andauern. (ebd., S. 173, mit ›Gewährsmänner‹ sind Einheimische gemeint, die Auskunft über die Sprache der Kinder geben konnten). Dabei entwickelt sich sowohl das Laufen als auch das Sprechen innerhalb eines eng umschriebenen Zeitraums relativ unabhängig von äußeren Faktoren wie beispielsweise Training (ebd., S. 157ff.). Beide Entwicklungsstränge greifen zwar ineinander, bedingen einander jedoch nicht gegenseitig: auch im Falle motorischer Beeinträchtigung wie Muskelatrophie entwickelt sich eine altersgerechte Sprache. Lenneberg geht davon aus, dass der Faktor Reifung dabei eine übergeordnete Rolle spielt. Festzuhalten bleibt, dass sich sowohl Grobmotorik als auch Sprechmotorik durch intrinsisch generierte, rhythmische Muster auszeichnen. Sprache und (Fort-) Bewegung entwickeln sich im Normalfall parallel, mehr als der äußere Einfluss ist dabei der Aspekt Reifung bestimmend.
Musikpädagogischer AusblickVerschiedene Aspekte von Sprache, Bewegung und Rhythmus als verbindendem Faktor sollen hier in Hinblick auf die Situation des Musikunterrichts noch einmal aufgegriffen werden. Im musikpädagogischen Kontext dient Sprache zunächst einmal Kommunikationsprozessen. Kontaktaufnahme wird initiiert, Informationen, |